{"id":359,"date":"2008-09-30T13:55:01","date_gmt":"2008-09-30T11:55:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ener-gie.de\/?p=359"},"modified":"2008-09-30T14:49:04","modified_gmt":"2008-09-30T12:49:04","slug":"indianerhaeuptling-seattle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.ener-gie.de\/?p=359","title":{"rendered":"Indianerh\u00e4uptling Seattle"},"content":{"rendered":"<p>1851 zogen 21 wei\u00dfe Siedler aus dem Mittelwesten an den Pugent Sound. Sie baten den Duwamish-H\u00e4uptling Seattle um Erlaubnis, sich in seinem Land niederzulassen. Er gab seine Zustimmung. Aus Dank wurde die Siedlung nach ihm genannt: Seattle.<\/p>\n<p>Drei Jahre lang wohnten Indianer und Wei\u00dfe friedlich nebeneinander. Dann forderte Franklin Pierce, 14. Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten, die Duwamish-Indianer auf, ihre Heimat zu verkaufen und zu r\u00e4umen. Amerika brauchte Platz f\u00fcr seine wei\u00dfen Siedler.<\/p>\n<p><!--more-->Der Pr\u00e4sident bot den Indianern als Reservat eine Insel im Pugent Sound an. Bevor Seattle seine endg\u00fcltige Entscheidung traf, wandte er sich in einer Rede noch einmal an den &#8222;Gro\u00dfen H\u00e4uptling in Washington&#8220;, Pr\u00e4sident Pierce. Dann zog er mit seinen 1.200 Stammesangeh\u00f6rigen ins Insel-Reservat.<\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Jahre danach, 1866, starb der greise H\u00e4uptling Seattle im Alter von 76 Jahren. Auch von seinem Stamm lebt heute keiner mehr. Wo einst die Fisch- und Jagdgr\u00fcnde der Duwamish waren, wuchs Seattle empor: Mit 550.000  Einwohnern, den Boeing-Werken und dem Raumfahrt-Denkmal Space-Needle, mit der 186 Meter hohen First National City Bank und achtspurigen Highways.<\/p>\n<p>Die weisen Worte des H\u00e4uptlings Seattle aber, die er damals in den Wind gesprochen hatte, sind heute schicksalstr\u00e4chtiger denn je.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Meine Worte sind wie die Sterne:<br \/>\nSie gehen nie unter&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Rede des Indianer-H\u00e4uptlings Seattle<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDer gro\u00dfe H\u00e4uptling in Washington sendet Nachricht, da\u00df er unser Land zu kaufen w\u00fcnscht. Der gro\u00dfe H\u00e4uptling sendet uns auch Worte der Freundschaft und des guten Willens. Das ist freundlich von ihm, denn wir wissen, er bedarf unserer Freunschaft nicht. Denn sein Volk ist zahlreich, wie das Gras, das die weite Pr\u00e4rie bedeckt. Mein Volk aber gleicht den vereinzelten B\u00e4umen auf der Ebene, \u00fcber die der Sturm tobt.<\/p>\n<p>Wir werden das Angebot bedenken und unsere Entscheidung treffen. Was H\u00e4uptling Seattle sagt, darauf kann sich der gro\u00dfe H\u00e4uptling in Washington verlassen, so sicher, wie sich unser wei\u00dfer Bruder auf die Wiederkehr der Jahrerzeiten verlassen kann. Meine Worte sind wie die Sterne: Sie gehen nie unter.<\/p>\n<p>Aber wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen &#8211; oder die W\u00e4rme der Erde? Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wasser nicht besitzen &#8211; wie k\u00f6nnt Ihr sie von uns kaufen?<\/p>\n<p>Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen W\u00e4ldern. Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der gro\u00dfe Adler &#8211; sie sind unsere Br\u00fcder.<\/p>\n<p>Wir wissen, da\u00df der wei\u00dfe Mann unsere Art nicht versteht. Ein Teil des Landes ist ihm gleich jedem anderen, denn er ist ein Fremder, der kommt in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er braucht. Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern Feind, und wenn er sie erobert hat, schreitet er weiter. Er l\u00e4\u00dft die Gr\u00e4ber seiner V\u00e4ter zur\u00fcck und k\u00fcmmert sich nicht. Er stiehlt die Erde von seinen Kindern und k\u00fcmmert sich nicht. Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Pl\u00fcndern, zum Verkaufen wie Schafe oder Perlen. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zur\u00fccklassen als die W\u00fcste.<\/p>\n<p>Das Ansinnen, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken, und wenn wir uns entschlie\u00dfen, anzunehmen, dann nur unter einer Bedingung: Der wei\u00dfe Mann mu\u00df die Tiere des Landes behandeln wie seine Br\u00fcder.<\/p>\n<p>Was ist der Mensch ohne die Tiere? W\u00e4ren alle Tiere fort, so st\u00fcrbe der Mensch in gro\u00dfer Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht &#8211; geschieht auch bald den Menschen. K\u00f6nnt Ihr die B\u00fcffel zur\u00fcckkaufen, wenn der letzte get\u00f6tet ist?<\/p>\n<p>Lehrt Eure Kinder, was wir unsere Kinder lehrten: Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde bef\u00e4llt, bef\u00e4llt auch die S\u00f6hne der Erde. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespucken sie sich selbst. Denn das wissen wir: Die Erde geh\u00f6rt nicht den Menschen, der Mensch geh\u00f6rt zur Erde. Alles ist miteinander verbunden, wie das Blut, das eine Familie eint. Die Erde zu verletzen hei\u00dft, ihren Sch\u00f6pfer zu verachten.<\/p>\n<p>Wenn die B\u00fcffel alle geschlachtet sind, die wilden Pferde gez\u00e4hmt, die heimlichen Winkel des Waldes schwer vom Geruch vieler Menschen und der Anblick reifer H\u00fcgel gesch\u00e4ndet von von redenden Dr\u00e4hten &#8211; wo ist das Dickicht? Fort! Wo ist der Adler? Fort!<\/p>\n<p>Und was bedeutet es Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd? Das Ende des Lebens &#8211; und der Beginn des \u00dcberlebens.<\/p>\n<p><!--more-->Wir werden Euer Angebot bedenken. Wenn wir zustimmen, so nur, um das Reservat zu sichern, das Ihr versprochen habt. Dort vielleicht k\u00f6nnen wir unsere kurzen Tage auf unsere Weise verbringen. Denn vor allem sch\u00e4tzen wir das Recht eines jeden Menschen, so zu leben, wie er es selber w\u00fcnscht &#8211; gleich wie verschieden von seinen Br\u00fcdern er ist.<\/p>\n<p>Wenn der letzte rote Mann von dieser Erde gewichen ist, und sein Ged\u00e4chnis nur noch der Schatten einer Wolke \u00fcber der Pr\u00e4rie, wird immer noch der Geist meiner V\u00e4ter in diesen Ufern und diesen W\u00e4ldern lebendig sein. Denn sie liebten diese Erde wie das Neugeborene den Herzschlag seiner Mutter.<\/p>\n<p>Wenn wir Euch unser Land verkaufen, liebt es, so wie wir es liebten, k\u00fcmmert Euch, so wie wir uns k\u00fcmmerten, behaltet die Erinnerung an das Land so, wie es ist, wenn Ihr es nehmt. Und mit all Eurer St\u00e4rke, Eurem Geist, Eurem Herzen erhaltet es f\u00fcr Eure Kinder und liebt es &#8211; so wie Gott uns alle liebt.<\/p>\n<p>Denn eines wissen wir: Unser Gott ist derselbe Gott. Diese Erde ist ihm heilig. Selbst der wei\u00dfe Mann kann dieser gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir ja doch alle &#8211; Br\u00fcder. Wir werden sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1851 zogen 21 wei\u00dfe Siedler aus dem Mittelwesten an den Pugent Sound. Sie baten den Duwamish-H\u00e4uptling Seattle um Erlaubnis, sich in seinem Land niederzulassen. Er gab seine Zustimmung. Aus Dank wurde die Siedlung nach ihm genannt: Seattle. Drei Jahre lang wohnten Indianer und Wei\u00dfe friedlich nebeneinander. Dann forderte Franklin Pierce, 14. 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